Die erste Frage in meinen Kundenerstgesprächen ist immer die gleiche: „Versicherungen sind dafür da das Schlimmste zu verhindern und Sicherheit zu bieten. Was wäre für Sie das Schlimmste, was Ihnen passieren könnte?“

Die Antworten auf diese relativ einfache Frage sind komplett unterschiedlich. Es gibt Kunden, die das Abbrennen Ihres Haushalts als Worst Case bezeichnen und Kunden, die einen Unfall als das Schlimmste bezeichnen.

Fast keiner meiner männlichen und weiblichen Kunden denkt dabei an eine Arbeitskraftabsicherung. Jeder stellt sich einen schlimmen Autounfall oder etwas ähnlich „Greifbares“ vor. Die Arbeitskraftabsicherung ist nicht so griffig und deshalb nicht als Erstes im Sinn. Das ist verständlich. Fakt ist: Jeder Vierte wird im Laufe seines Lebens einmal berufsunfähig! Heftig oder?

                                           Quelle: GDV 31.01.2019

Warum ist die Arbeitskraftabsicherung  eine der wichtigsten Absicherungen?

Die meisten Menschen in Deutschland leben nicht von Mieteinnahmen,  Kapitaleinkünften oder von geerbtem Geld. Für die meisten Menschen ist Geld aus der Erwerbstätigkeit überlebenswichtig. Ohne Geld vom Job gibt es keine Miete, kein Eigenheim, keine Urlaube und keine kleinen Annehmlichkeiten. Bei diesen existenziellen Nöten tritt der abgebrannte Haushalt in den Hintergrund. Aber schauen wir uns das mal genauer an:

Was kostet z.B. ein Haushalt eines durchschnittlichen Einfamilienhauses von ca. 120qm?

  • Küche (Küchenzeile, Boden, Ausstattung, etc.): 20 000 Euro
  • Wohnzimmer (Sofa, Fernseher, Sessel, Böden, Schränke, etc.): 20 000 Euro
  • Schlafzimmer (Bett, Schrank, Böden, etc.): 12 000 Euro
  • Kinderzimmer (Bett, Böden, Schränke, Spielsachen, etc.): ca. 12 000 Euro
  • Badezimmer (Toilette, Dusche, Fliesenspiegel, Schränke, etc.): 20 000 Euro
  • Gebäudezubehör (Garageninhalt, Fahrräder, Gartenhausinhalt): 10 000 Euro

 

Gesamtkosten: ca. 94 000 Euro für einen komplett abgebrannten Haushalt (in Fachsprache auch Hausrat genannt 😉 )

 

Was kostet es seine Arbeitskraft zu verlieren?

  • 25-jähriger Durchschnittsverdiener: 3.185 € Brutto pro Monat (Bezugsgröße 2020 West siehe zum Beispiel haufe.de). Das macht im Jahr 38.220 Euro x 42 Jahre (bis zum Regelrentenalter 67) = 1.605.240 Euro

Anhand der nackten Zahlen ist es glasklar: 94.000 Euro im Verhältnis zu 1.605.240 Euro

Nochmal die Frage: Welche Absicherung ist wichtiger?

Im Bereich der Arbeitskraftabsicherung gibt es im Kundengespräch viele Mythen und Irrtümer. Hier und jetzt räumen wir mit den Top 3 auf

 

 

Top 1 Irrtum:

Der Staat sorgt für mich, wenn ich meinen Job durch Krankheit oder Unfall verliere

Sagen wir es mal so: JEEEIIIINNN. Eine staatliche „Berufsunfähigkeitsversicherung“ gibt es für nach dem 01.01.1961 Geborene nicht mehr. Die Deutsche Rentenversicherung knausert aber auch für diejenigen, für die sie eine Berufsunfähigkeitsrente zahlen würde. Denn diese reicht nur für ne neue Hose und 4 Hamburger pro Monat 😉

Dann gibt es aber noch die sogenannte „Erwerbsminderungsrente“ der Deutschen Rentenversicherung. Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsrente sichert sie nicht die Tätigkeit in einem Beruf ab, sondern die Arbeitskraft auf dem gesamten Arbeitsmarkt.

 

                           Quelle: deutsche-rentenversicherung.de

 

Genauer: Eine Erwerbsminderungsrente gibt es erst, wenn man nur noch weniger als 6 Stunden im allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten kann. Ob als Pförtner, Ingenieur oder LKW-Fahrer ist der Deutschen Rentenversicherung schnurzpiepe. Dabei wird noch einmal zwischen einer teilweisen und einer vollen Erwerbsminderungsrente unterschieden. Die volle Erwerbsminderungsrente gibt es erst wenn man weniger als 3 Stunden am Tag einer beruflichen Tätigkeit nachgehen kann. Da kann man sich schon vorstellen, dass man schon ganz schon „kaputt“ sein muss, um diese Hürde zu nehmen.

Wieviel Geld Ihr bei einer vollen Erwerbsminderungsrente bekommen würdet, seht Ihr auf Eurer Renteninformation (Information, die Ihr jährlich von der deutschen Rentenversicherung bekommt). 2017 war der Durchschnitt eines Neurentners ca. 700€ im Monat. Wem das für seinen gesamten Lebensunterhalt reicht, wer die geforderten Mindestversicherungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung und wer genügend Beiträge gezahlt hat, der ist jedenfalls teilweise durch den Staat versorgt. Für die meisten Menschen sollte dies jedoch nicht gelten, da eine der Voraussetzungen nicht erfüllt oder die hohe Hürde des Eintritts des Versicherungsfalles (unter 3 Stunden mögliche Arbeit in einer beliebigen Tätigkeit, Ihr erinnert Euch) nicht erreicht wird  😉

Aus diesem Grund bietet der Staat zwar Leistungen im Falle des Verlustes der Arbeitskraft durch Unfall, Krankheit oder Kräfteverfall an, aber diese decken nur einen Grundbedarf ab.

 

 

Top 2 Irrtum:

Ich arbeite im Büro. Was soll mir schon passieren?

Logisch oder?

So einfach, wie es klingt ist es leider nicht. Die meisten BU-Leistungsfälle entstehen durch psychische Probleme / Nervenkrankheiten, wie zum Beispiel Burn-Out oder Depressionen. Erst danach kommen Krankheiten des Bewegungsapparates. Obwohl sie normalerweise nicht auf Dächer klettern oder Elektroleitungen reparieren, haben vermeintlich weniger gefährdete Berufe, wie z. B. Bürokaufleute, ebenfalls ein reelles Risiko durch Erkrankung ihrer Erwerbstätigkeit nicht mehr nachgehen zu können.

 

                           Quelle: lv1871.de

 

 

Top 3 Irrtum:

So viel Geld für eine Versicherung? Ich kriege am Ende ja gar nichts raus.

Auch das ist ein Argument, welches oberflächlich betrachtet einleuchtet. Jedoch ist der Grundgedanke einer Versicherung genau der, dafür da zu sein, wenn etwas passiert. Nicht, wenn nichts passiert. Eben eine Absicherung für den Ernstfall.

In manchen Ländern der Erde gibt es überhaupt keine privaten Absicherungsmöglichkeiten außer die eigene Familie und Freunde. Auf ein funktionierendes staatliches Sozialsystem können sich diese Menschen ebenfalls nicht verlassen. Einzig mit Geld könnten Sie sich diese Absicherung erkaufen. Da dies aber nicht vorhanden ist oder so schon nicht reicht, gibt es keine Möglichkeit der sozialen Absicherung bei Krankheit oder Unfall. Sie wären froh einen Zugang und die finanziellen Möglichkeiten zu einer derartigen Absicherung zu haben. Ich finde dieses Privileg sollten wir schätzen.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung als beliebteste Arbeitskraftabsicherungsmöglichkeit kostet meistens weniger als 5% des Nettoeinkommens und schützt oft die gesamte Familien-Existenz.

Dadurch, dass die BU grundsätzlich aus einem Risikobeitrag besteht und nicht im Vordergrund aus einem Sparanteil, deckt sie „nur“ das Risiko des Arbeitskraftverlustes ab. Das Grundprinzip ist mit der KFZ-Versicherung zu vergleichen: Kein Unfall, kein Geld. Es gibt zwar auch BUs mit einem Sparanteil, jedoch macht es aus vielerlei Hinsicht Sinn die Arbeitskraftabsicherung und die Altersvorsorge zu trennen, denn

Kapitalanlage und Vermögensaufbau ist die spezifische Aufgabe anderer Produktkategorien.

Dazu ein anderes Mal mehr 😉